Man hat den Siphon gereinigt, den Abfluss gespült, alles kontrolliert – und der Geruch kommt trotzdem. Nicht immer, aber regelmäßig. Meistens morgens, wenn das erste Mal warm geduscht wird. Oder nach einem Wochenende, an dem das Bad kaum genutzt wurde.
Wer in dieser Situation steckt, hat oft eine Ursache übersehen, die mit dem Abfluss gar nichts zu tun hat: den Warmwasserspeicher.
Wie der Warmwasserspeicher Gerüche erzeugt
In den meisten Haushalten mit zentraler Warmwasserversorgung gibt es einen Boiler oder Warmwasserspeicher – ein isolierter Behälter, in dem Wasser auf Temperatur gehalten wird. Damit dieser Behälter nicht von innen korrodiert, ist in fast jedem Gerät eine sogenannte Opferanode eingebaut – meist aus Magnesium.
Diese Anode ist bewusst so konstruiert, dass sie sich selbst auflöst, um den Stahl des Behälters zu schützen. Das ist Chemie, die funktioniert – solange die Anode intakt ist und das Wasser bestimmte Eigenschaften hat.
Das Problem entsteht, wenn sulfatreiches Wasser auf eine verbrauchte oder reaktive Magnesiumanode trifft. Dabei kann Schwefelwasserstoff entstehen – das Gas, das den charakteristischen Fauler-Eier-Geruch erzeugt. Dieses Gas löst sich im Warmwasser und wird beim Öffnen des Warmwasserhahns freigesetzt. Der Geruch steigt aus dem Abfluss auf, aus der Dusche, aus dem Waschbecken – überall dort, wo warmes Wasser fließt.
Das führt zu einer klassischen Fehldeutung: Man riecht den Geruch am Abfluss und schließt daraus, dass der Abfluss das Problem ist. Dabei ist er nur der Ort, an dem sich der Geruch zeigt – nicht die Ursache.
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Woran man es erkennt
Es gibt ein einfaches Unterscheidungsmerkmal: Der Geruch tritt ausschließlich oder deutlich stärker beim Warmwasser auf.
Wer den Kaltwater- und den Warmwasserhahn separat aufdreht und dabei beobachtet, ob der Geruch einem von beiden klar zuzuordnen ist, hat die Diagnose in wenigen Sekunden. Riecht das Kaltwasser normal und das Warmwasser nach faulen Eiern oder leicht nach Kanal – Warmwasserspeicher.
Ein weiteres Signal: Der Geruch ist morgens besonders intensiv oder nach längerer Abwesenheit. Wenn das Wasser stundenlang oder tagelang im Speicher stand und sich Bakterien vermehren konnten, ist die Konzentration beim ersten Durchlauf am höchsten. Nach einigen Minuten, wenn frisches Wasser nachläuft, lässt der Geruch nach.
Was man dagegen tun kann
Temperatur erhöhen
Als Sofortmaßnahme: Den Boiler auf mindestens 60 Grad Celsius einstellen und für einige Stunden laufen lassen. Bei dieser Temperatur werden die meisten geruchsbildenden Bakterien abgetötet. Wer den Boiler dauerhaft auf niedrigerer Temperatur betreibt – was aus Energiespargründen verbreitet ist – schafft damit ideale Bedingungen für Bakterienwachstum. Eine kurze regelmäßige Aufheizung auf 60 Grad, etwa einmal pro Woche, kann das Problem langfristig in Schach halten.
Anode prüfen und tauschen
Wenn die Magnesiumanode stark verbraucht ist oder mit dem Leitungswasser vor Ort ungünstig reagiert, ist ein Tausch sinnvoll. Viele Hersteller empfehlen, die Anode alle zwei bis vier Jahre zu kontrollieren – in der Praxis wird das selten gemacht. Ein Sanitärbetrieb kann die Anode herausschrauben, ihren Zustand beurteilen und bei Bedarf ersetzen.
In Regionen mit stark sulfathaltigem Wasser ist ein Wechsel auf eine Titanium-Fremdstromanode eine dauerhafte Lösung. Diese reagiert nicht mit Sulfaten und erzeugt keinen Schwefelwasserstoff – löst das Problem also an der Wurzel.
Speicher spülen
In einem Warmwasserspeicher, der über Jahre nicht gewartet wurde, sammeln sich Kalk und Sediment am Boden. Diese Ablagerungen bilden eine Schicht, in der sich Bakterien besonders gut halten können. Ein professionelles Spülen des Speichers – kombiniert mit dem Anodentausch – ist die gründlichste Maßnahme und oft die, die das Problem dauerhaft behebt.
Der Zusammenhang mit dem Fauler-Eier-Geruch
Wer bereits den Artikel zum Fauler-Eier-Geruch im Bad gelesen hat, kennt die Grundzusammenhänge. Der Warmwasserspeicher ist dabei die Ursache, die am häufigsten übersehen wird – weil der Geruch am Abfluss wahrgenommen wird, nicht am Gerät selbst.
Das macht die Diagnose schwieriger, die Lösung aber klarer: Wer die richtige Ursache kennt, muss nicht länger am Abfluss suchen. Und wer seinen Warmwasserspeicher regelmäßig wartet, hat dieses Problem in den meisten Fällen dauerhaft vom Tisch.

Andreas Hollmann – Haustechniker mit langjähriger Praxiserfahrung. Er zeigt, wie man Kanalgeruch im Bad Schritt für Schritt auf die Spur kommt und was wirklich hilft.